Aber das ist ja leider etwas, das einem klar sein und womit man sich abfinden muss: Die Chance ist groß, dass man einen Hund, den man sich anschafft, überleben wird.

Und dass das Leben trotzdem weitergeht.

2020


In wehmütiger Erinnerung – zehn Jahre alt wurde unser Lucky, dann mussten wir uns im Juli 2018 von ihm verabschieden; so schmerzunempfindlich, wie er war, hatte der tapfere Kerl sich offenbar Wochen und Monate lang mit nichts anmerken lassen, dass sich in seiner Milz ein beschissener Tumor breitmachte – bis es zu spät war, irgendetwas dagegen zu tun.

Wir vermissen ihn immer noch, jeden verdammten Tag.

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(Wird – vermutlich – fortgesetzt …)

Also versucht man, ganz nach dem Mephisto-Prinzip, das Gute im Schlechten zu sehen: Man kann wieder ausgehen (ja, wohin denn – in irgendwelche Nichtraucherkneipen etwa?!?), reisen (Quatsch!), zumindest Freunde besuchen; das war die letzten Jahre mit dem Rowdy ja gar nicht mehr möglich gewesen, schon gar nicht stressfrei. (Nicht dass Ihr nun meint, wir hätten halt unseren Hund besser erziehen sollen – zum Rowdy wurde der sanfteste Hund von allen, nachdem ihm ein aggressiverer Artgenosse ein Stück aus dem Nacken gebissen hatte. Trauma.)

Das tun wir auch, gelegentlich (also Freunde besuchen, nicht in Nacken beißen), ansonsten zeigt es sich derzeit, dass wir offenbar über bisher ungekannte seherische Fähigkeiten verfügen: Als im Frühjahr ein anderer Rowdy über die Welt herfällt – Covid 19 heißt er wohl – und der große Lockdown beginnt, ändert sich für uns kaum etwas: Wir leben ja nun schon seit Jahren quasi in (selbstgewählter) Quarantäne. Und ob wir nun mit oder ohne Maske einmal die Woche einkaufen fahren, ist uns völlig wurscht. Etwas anderes als Home Office kennen wir auch schon lange nicht mehr, und dass dabei mal mehr, mal weniger Einkommen herauskommt, sind wir auch gewohnt – ist es jetzt halt mal ’ne Weile wieder etwas weniger. Für die Miete unserer Bruchbude, für Essen und Tabak reicht es (na ja, meistens), und ein paar Flaschen Bier für unseren gemütlichen Freitagabend sind auch noch drin (sogar erst recht jetzt, wo kein Besuch mehr kommt ;-) ).

Was andererseits natürlich auch schade ist, und besonders bedauerlich ist, dass man die Enkel nur noch per Skype aufwachsen sieht. Aber zumindest sind alle noch gesund.

Der Opa fürchtet nur, dass auch das mit dem Skypen nicht mehr so lange klappen wird – er braucht schon wieder eine stärkere Brille, und seit ein paar Jahren schon liegt ihm der Ohrenarzt mit dem Vorschlag, sich mit einem Hörgerät anzufreunden, in den halb tauben Ohren.

Tja, wie heißt es so schön: Alt werden is' nix für Weicheier.

"Ja, Mensch – halb taub …! Wie schafft der Mann es denn, immer noch so tolle Musik zu produzieren?"

Na ja – wir ha'm's halt, Beethoven und ich.

Und noch ein paar andere …

Veteranentreffen anlässlich einer Geburtstagsfeier, JAN 2018

(v.l.: Dennis Kleimann, Jürgen Zeltinger und eh …, eh …)

Ein weiteres Veteranentreffen anlässlich eines weiteren Jubiläums:

30 Jahre Kozmic Blue, am 30. SEP 2019.

(Fotograf leider unbekannt – bitte melden!)


Kreise schließen sich: 54 Jahre, nachdem der Opa zum ersten Mal mit seinem Bass auf eine Bühne kletterte, um Van Morrisons Gloria in den Saal des Pfarrheims St. Marien in Köln-Nippes zu knödeln, steht er hier auf der Bühne der in der Lutherkirche in der Kölner Südstadt, um auf Wunsch der Jubilare dasselbe zu tun. (Ja, er ist ganz schön rumgekommen in der Welt.)

Links an der Posaune steht Achim Fink, vor 28 Jahren Mitglied des Orchester unter der Leitunk bei der legendären Prunksitzunk im Bürgerhaus Stollwerck, am Schlagzeug sitzt – leider unsichtbar – Gerhard Sagemüller, mit dem der Opa vor 27 Jahren sein letztes Schroeder Roadshow-Konzert spielte, in das Mikrophon vor ihm jubelt Inge Mackenthun, die seit 23 Jahren Texte für ihre Songs in Opas Schreibwerkstatt bestellt, und rechts von ihr an der Gitarre turnt Gerty Beracz herum, mit dem der Opa zum ersten Mal vor 49 Jahren in einer Band spielte, der vor 44 Jahren mit ihm den Vorläufer der Schroeder Roadshow und vor 24 das Rocktrio Rich Choice gründete, und mit dem zur Zeit in Opas Heimstudio ein neues Album mit neuen Songs entsteht …

2022

Ja, Ihr seht richtig: Seit zwei Jahren ist hier nix mehr passiert. Also, hier auf der Website jedenfalls nicht – im Leben da draußen schon. So viel, dass ich erst gar keine Zeit hatte, mich um den berühmten Content zu kümmern, und als ich dann welche hatte, funktionierte plötzlich mein FTP-Programm nicht mehr: Ich konnte ums Verrecken nichts hochladen.

Hat mir eine ganze Weile nicht mal was ausgemacht – man ist ja mit zunehmendem Alter immer mehr auf Gemütlichkeit bedacht und hat gelernt, dass ein Gutteil irgendwelcher geplanter Aktivitäten so verzichtbar ist wie alkoholfreies Bier. Oder monströse chromglänzende Gerätschaften, an denen man nuckeln und Rauch bzw. Dampf saugen kann, um in neuerdings nach Turnschuhen, Schweiß und Axe riechenden Kneipen nicht unangenehm als Raucher aufzufallen und womöglich geteert und gefedert zu werden.

Von Leuten, deren Vorstellung von einem gelungenen Kneipenabend darin besteht, zu den Klängen von Coldplay und Adele drei verschiedene Whiskysorten zu verkosten (während sie den prolligen Biertrinker neben ihnen mit verächtlich-mitleidigen Blicken bedenken) – Whiskysorten, die pro Glas mehr kosten als der Biertrinker am ganzen Abend versaufen kann –, und sich dabei über Whiskysorten zu unterhalten. Oder über eBikes. Ein Stichwort, das ihnen die willkommene Gelegenheit gibt, auf ihre Apple Watch zu gucken und lautstark die Werte ihrer Health App kundzutun. Werte, die sie erreicht haben, indem sie mit tonnenschweren Hausfrauenpanzern die zehn Minuten Fußweg zu ihrem Fitness-Studio cruisen, um dort wegen der Zehntausend-Schritte-am-Tag-Regel auf ein Laufband zu steigen.

Vielleicht unterhalten sie sich aber auch über Co-Working-Spaces oder Bitcoins. Oder über Politik. Dann äußern sie ihre Freude darüber, dass die CDU und der bräsige Herr Laschet eins auf den Deckel gekriegt haben, feiern die Ampelkoalition und wahlweise die Grünen oder die FDP, als gäbe es da noch große Unterschiede.

Und wenn der Opa dann gegen Mitternacht noch ein Bier bestellen will, guckt die Bedienung ihn schräg an, denn die Whiskyverkoster sind längst auf dem Heimweg, und der Opa ist der einzige und letzte Gast.

Um eine Uhrzeit, zu der er früher erst seinen Kneipenbummel begonnen hat …!

Eh …, wo war ich …?

Ach ja, meine Bio.

Ist ja kein Poetry Slam hier.

Ja, ich lebe noch. Immer noch, auch wenn das manch eine:n erstaunen mag.

Ja, ich habe inzwischen auf den Ohrenarzt gehört: Im Regal neben meinem Schreibtisch liegt jetzt ein Hörgerät. Manchmal trage ich es auch. So alle zwei, drei Wochen, wenn wir Besuch haben und es sich dabei um Leute handelt, die den Eindruck machen, sie legten Wert darauf, dass ich an der allgemeinen Unterhaltung teilnehme. Ansonsten ist dieses Gerät der Horror: Ich kann zwar schon besser verstehen, was um mich herum gesprochen wird (zumindest, wenn nicht mehr als zwei Leute gleichzeitig reden), aber vor allem höre ich mich selbst zehn Mal so laut wie ohne – mein Schlucken und Kauen, das Knitschen und Klappern meiner Zahnprothese, das Rasseln und Pfeifen meiner Lunge … Beim Autofahren habe ich das Gefühl, ich sitze in einem Militärlastwagen aus den 40ern ohne Windschutzscheibe; ganz blöde ist, wenn ich vom Einkaufen kommend die Corona-Maske abnehme und das verdammte Hörgerät dauernd daran hängenbleibt und durch die Gegend fliegt, und zum Musikhören oder gar Musikmachen taugt das Ding einen Scheißdreck.

Dabei hab ich nicht mal das billigste Modell – »gehobene Mittelklasse« nennt der Akustiker es, und ich habe es mir nur leisten können, weil es vor zwei Jahren eine Finanzspritze von der NRW-Soforthilfe gab. Da wusste ich nur leider noch nicht, dass diese Soforthilfe entgegen ersten Versprechungen nicht für die Abdeckung von Lebensunterhalt gelten würde, sondern nur für Betriebskosten. Und ein Hörgerät fällt nicht unter Betriebskosten, nicht mal für einen Musiker.

Bin gespannt, wie das Land NRW nach dem Rückzahlungs-Stichtag darauf reagiert, dass ich die mehreren tausend Ocken, die ich nach der neuen Berechnung zurückzahlen muss, in 50-Euro-Raten abzustottern gedenke.

Aber Musikmachen wäre jetzt ein schönes Stichwort: Wie Ihr auf der Home-Seite sicher schon gesehen habt, gibt es Neues von Caurey – vol. 5, das in wenigen Wochen erscheinen wird, ist eine Produktion, die mir ein Stipendium ermöglicht hat (vielen Dank, Tante Gema!).

Und – tadaaa! – der oben genannte Kollege Beracz und ich haben es in diesen zwei Jahren tatsächlich geschafft, ein gemeinsames Album zu produzieren; es ist fertig, und auch das wird noch in diesem Frühjahr auf die Öffentlichkeit losgelassen. In ein paar Tagen werden wir einen ersten Appetizer in Form eines Videoclips auf YouTube hochladen, und ich hoffe, nicht mehr allzu lange zu brauchen, um die Website für das Projekt the little while präsentieren zu können …

Gerty Beracz & Rich Schwab: the little while, Dezember 2021

Aber ja, ein Privatleben haben wir auch noch. Vor zwei Jahren zog unser Nachbar fort. Und hinterließ zwei seiner Katzen. Die nach einer Weile beschlossen, dass es Zeit sei, sich um neue Dosenöffner zu kümmern. Einige Wochen lang konnten wir die beiden beobachten, wie sie im Garten saßen, miteinander flüsterten, gelegentlich Blicke auf unser Küchenfenster werfend. Dann verschwand die eine, und die andere setzte sich jeden Morgen und jeden Abend vor unsere Terrassentür und miaute.

»Nix da!«, entschied ich. »Wir wollen keine Katzen. Mir reicht's, dass wir keinen Hund mehr haben. Und ich habe nicht die geringste Lust, morgens auf angefressene Mäuseleichen zu treten.«

»Aber die hat doch Hunger«, sagte die Frau. »Die Arme!« Kaufte ein paar Dosen Katzenfutter und einen Fressnapf und stellte ihn gefüllt vor die Tür.

Kam gut an.

Dann wurde es Winter.

Der Napf wanderte nach drinnen (»Die friert doch, die Arme!«).

Drei, vier Mal fraß die Katze drinnen und lief danach brav wieder nach draußen.

Nach der fünften Mahlzeit tapste sie ins Schlafzimmer, sprang aufs Bett und machte es sich gemütlich. »Siehste!«, sagte ihr triumphierender Blick, während sie sich ausgiebig putzte. Und »Bin ich nicht schön?« Doch, ist sie. Norwegische Waldkatze, hatte der Nachbar mal erklärt.

Norwegische Waldkatzen sind insofern eine Ausnahme, als sie sich überaus gern den Bauch kraulen lassen. Stundenlang. Die Frau krault gerne Bäuche (warum hätte sie mich sonst auch heiraten sollen?). Und schon muss sie nicht mehr alleine fernsehen, während der Mann in seinem Studio herumklimpert.

Na gut, haben wir jetzt also ’ne Katze. Püppi.

Püppi verlässt das Haus nur noch (dankenswerter Weise) zum Pinkeln und Kacken. Und ja, zum Mäusejagen, aber ihre Beute-Geschenke legt sie zum Glück vor der Terrassentür ab und bringt sie nicht mit rein. Ich spiele in ihrem Leben nur eine Rolle, wenn die Frau nicht da ist, und das kommt sehr selten vor.

Der Arbeitsplatz der Frau ist im Schlafzimmer, dort steht ihr Schreibtisch vor dem Fenster, mit Blick auf den Garten. Ein paar Wochen nach Püppis Einzug saß eines Morgens ihre Schwester draußen auf der Fensterbank. Und starrte die Frau an. Stundenlang. Saß nur da und starrte die Frau an, dann Püppi, die selig auf dem Bett lag und schlief, dann wieder die Frau. Stundenlang. Tagelang.

Zwei Wochen lang.

”Och, guck mal, wie die guckt …«, sagte die Frau.

»Nix da!", entschied ich. »Ein so’n Vieh reicht ja wohl völlig!«

Aber es war ja Winter. Und Gizmo (so heißt die Schwester) fror. Und hatte Hunger. Und starrte.

Ihr könnt's euch denken – es dauerte nicht mehr lange, da bekam auch Gizmo drinnen was zu fressen, und dann dauerte es auch nicht mehr lange, und zwei Katzen lagen auf dem Bett und ließen sich die Bäuche kraulen.

Auch Gizmo strafte mich eine ganze Weile mit Verachtung, mein Büro schien sie überhaupt nicht zu interessieren. Bis die Frau eines Tages ein Wochenende verreiste …

Na ja – und seitdem lässt sie sich auch schon mal in meinem Büro blicken.

Hört sich meine Musik an und leistet mir gelegentlich Gesellschaft bei einem Nickerchen zwischendurch.

Und jetzt alle: »Die Haup'sach es, et Hätz es joot / Denn dodrop kütt et aan …«