Rich Schwab ist Jahrgang 1949.

Geboren und aufgewachsen in Köln.

Wenn auch eher in die Breite als in die Höhe.

Kein Abitur.

Aber das macht nichts.

Mit wäre wohl auch nicht mehr aus ihm geworden.

Er lebt heute am Niederrhein und arbeitet.

Meistens.

Rich (in der Mitte) 1950

Oder, klassischer ausgedrückt:

1949 geboren in Köln

1960–66 Gymnasium

1966 Lehre als Musikalienhändler (abgebrochen);

1967–69 Hotel-Rezeptionist

ab 1969 Musiker mit Hilfsjobs (Bau, Fabrik, Groß- und Einzelhandel, Vertrieb, Büro, Gastronomie)

1970 Studium an der Rheinischen Musikschule, Köln (abgebrochen)

1988–98 Wirt

seit 1992 auch Autor

seit 1999 freischaffender Autor & Musiker

seit 2003 auch Lektor & na ja … Webdesigner

RICH CHOICE – Neulich steh´ ich mit einem Haufen anderer anonymer Verlierer im Zentrum für´s Wesentliche, es ist kurz nach dem siebten Bier und wir erzählen uns HA Schult-Witze, na ja, auf jeden Fall wir hocken da so ab, zuckt plötzlich so ein Typ zur Tür rein, hängt sich an den Tresen und schlackert mit den Ohren.

Auf die Frage „Wat es dann mit dir?“ entgegnet er: „Unchain your dreams to find peace of heart!“

Und dann legt er los: „Ob ihr´s glaubt oder nicht: ich habe soeben im nullzwei zwei alte Männer gesehen, die haben diesen Schwachsinn gesungen, in aller Öffentlichkeit. Der eine an der Trottelharfe, der andere an der sechssaitigen Knödelmaschine. Klar, und ein Trommler war auch dabei, aber der war deutlich jünger. Wenn sie da auch noch einen Gleichaltrigen genommen hätten, wer weiß, ob das Konzert dann jetzt schon zu Ende wäre.“

„Ja und?“

„Ja, und dann haben sie abgerockt, die alten Knacker, ich sag´ euch, da war Wumm in den Pantoffeln, da haben sie die ganzen alten licks und riffs aus der Mottenkiste gekramt. James Brown, James Hawkins, James Morrison - die haben sogar ´ne alte Nudel von James Dylan gespielt: „It´s all over now, baby blue.“ Aber das Verrückte ist, der Typ an der Trottelharfe sah aus wie der Wirt vom nullzwei.“

„Das ist der Schwab. Das kann nicht sein. Der Schwab hat schon seit Ewigkeiten keine Musik mehr gemacht.“

„Der Schwab hat noch nie Musik gemacht. Der war immer im Hintergrund.“

„Im Untergrund! Der war immer im Untergrund. Anarchy in Germoney! Das war ´79. Da hatten die so einen musikalischen Terrorverein, Deckname Schroeder Roadshow.“

„Blödsinn. Der Schroeder heißt Bernd und ist ein ziemlich großer Schriftsteller aus einem versunkenen Land, und der Schwab macht die Musik zu seinen Hörspielen im Bayerischen Rundfunk.“

„Der Schwab im Rundfunk! Eher springt der Intendant durch´s Nadelöhr, als dass der Schwab in die hot rotation kommt. Aber stimmt das eigentlich, dass der einen Kriminalroman geschrieben hat? Irgendwas mit Apfelkorn?“

„Der Schwab kann nicht schreiben. Der kann nur Striche machen. Seit ´78. Da ist er auf den Hundt gekommen. Damals waren die zwei noch auf freiem Fuß. Dann live in Tokio. Und dann nur noch Jeile Träumer, Betablocker und andere Placebos.“

„Na ja, aber jetzt hat er auf jeden Fall ´ne neue Band. Rich Choice. Er und sein alter Kumpel Beracz, der Gerti, auch so ein Deutsch-Rock-Fossil direkt aus der Versenkung. Den Trommler kennen noch weniger, aber das wird sich ändern. Denn die drei werden wahrscheinlich eine ziemlich berühmte Band. Da ist der Schwab ja bekannt für, für ziemlich berühmte Bands: mhagara, Eiliff, Brainstorm, und nicht zu vergessen: die North Town Skiffle Group von 1963! Da war eine Band berühmter als die nächste!“

„Und dann seine berühmten Texte! Gesungene Architektur: „Immer wenn ich Italjähner ficke, träum´ ich von Venedig, da fahr´ ich nach der Hochzeit hin, doch jetzt bin ich noch ledig …“ – Die Texte von dem Schwab haben alle gesungen: der Frank Gala, der Peter Bursch, der Köster, die Köster, der Schmickler, der Kämmer, der Nitschke, die Brings-Bröder und die Höhner.“

„Der Schwab ist pervers.“

„Ich glaube, wir meinen einen anderen Schwab.“

„Wir meinen den kleinen Dicken.“

„Der Schwab ist nicht dick. Der arbeitet als Nacktmodell für die Kölner StadtRevue.“ (siehe Foto)

Vielen Dank, Herr Schmickler.

foto: siglinde kallnbach, 2005

„Das glaub´ ich nicht! So ein widderlijjer Prunkbüggel wie der Schwab würde nur öffentliches Ärgernis erregen. Deshalb darf der auch nie mitmachen, wenn die anderen schnieken Prunzen mal wieder in aller Öffentlichkeit eine Leiche fleddern. Der Schwab kriegt doch den Arsch nit huh und nur die Zäng ussenander, wenn er dreißig Peters Kölsch intus hat.“

„Obwohl, in seiner neuen Band, da soll er ja auch singen! Und viele von denen, die dabei waren, meinten, er könne das besser als der Beracz. Und der Gerti Beracz ist bekanntlich ein ganz begnadeter Sangesbruder, der kommt so hoch, dass sich jeder im Publikum besorgt fragt, ob er jemals wieder runter kommt!“

Inzwischen waren wir bei der 21. Runde und die Geschichten um den großen unbekannten Schwab wurden immer bizarrer. Nach dem, was da alles so zusammenkam, war dieser Mann nicht nur eine Legende, der war ein ganzer Legendensammelband.

Am Ende beschlossen wir auf jeden Fall, am Montag, den 4. November kollektiv im nullzwei einzufallen. Da heißt es nämlich zum zweiten Mal „Abrocken mit Rich Choice“. Da werden wir ihn hinterher persönlich fragen, ob das alles stimmt. Aber wie ich den Schwab kenne, wird er wieder alles abstreiten. Na, wie dem auch sei, das einzige, was im Endeffekt wirklich stimmen muss, ist der Groove. Und der stimmt bestimmt!

Wilfried Schmickler, SÜDWIND, 11/96

foto: rainer rosenow, 1996

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Der auch von mir hoch geschätzte Kollege Wilfried Schmickler (3Gestirn, Mitternachtsspitzen) sah das aus seiner Warte als Kabarettist und Kolumnist vor ein paar Jahren einmal so:

foto: siglinde kallnbach