Wie man sehen kann, habe ich schon früh angefangen zu schreiben.





Erst etliche Jahre später aber sollte ich merken, dass es für ein Schriftstellerleben nicht ganz reichen mochte, sich mit zehn Reihen a a a A A A … b b b B B B … c c c C C C … d d d D D D … usw. (in Schönschrift!) ein Fleißkärtchen verdient zu haben.

Auch wenn es seinerzeit des Öfteren vorkam, dass ich, wie es damals Regel und Usus war an einer katholischen Volksschule in Köln-Vogelsang, für zehn angesammelte Fleißkärtchen ein Heiligenbildchen oder sogar eine Madonna (nein, nicht die – eine Jungfrau Maria!) in Ton, mit einem Loch im Hinterkopf zum Aufhängen, überreicht bekam.

Na ja, ich war jung und brauchte das G–, eh …, die Ehre.


Und – dann doch – das Lehrgeld. Denn natürlich machten mich solche regelmäßigen Auszeichnungen in den Augen einiger Klassenkameraden zum Streber, und was sie von Strebern hielten, bekam ich dann auf dem Schulhof oder, noch heftiger, auf dem Heimweg gründlich zu spüren. Noch lehrreicher allerdings waren die Lektionen, die mir dort zuteil wurden, nachdem mein Klassenlehrer mich als Erstklässler vor die Jungs der dritten Klasse stellte, damit sie mal sähen und hörten, wie toll es sei, wenn jemand richtig lesen und sogar schon so schön vorlesen könne – da sollten sie sich doch mal ein Beispiel dran nehmen!

Ergebnis war natürlich nach ein paar schmerzensreichen Monaten, dass nicht die von mir lesen und vorlesen, sondern ich von denen gelernt hatte, mich bei Prügeleien zu behaupten. Was mir im Teenageralter eine ganze Weile lang freilich mehr von Nutzen sein sollte als meine literarischen Neigungen.


Im Nachhinein kann man allerdings wohl eher froh sein, dass auch all der Spaß an all dem auf der Straße Gelernten meiner Schmökersucht nichts anhaben konnte …

1955